16. Juli 2011

«Cars 2» von John Lasseter

Auf den Spuren von 007

Ob mit «Toy Story», «Wall-E» oder «Ratatouille»: die Produktionsfirma Pixar setzt in Sachen digitaler Animationsfilm Jahr für Jahr die Massstäbe. Das ist im Falle von «Cars 2» nicht anders. Im neuen Abenteuer landen die Autos von Radiator Springs nun mitten in einer Agentengeschichte, die selbst einem James Bond gut angestanden hätte.

von Rudolf Amstutz
Bild: © Disney/Pixar
Autos haben ja bekanntlich auch eine Seele. Behaupten zumindest Liebhaber von Autos. John Lasseter, Regisseur, Drehbuchautor und Kreativkopf hinter Pixar, ist so ein Liebhaber. Mit «Cars» (2006) realisierte er denn auch die visuelle Umsetzung seines liebevollen Verhältnisses zu unserem geliebten Gefährt auf geistreiche und witzige Art.

Das mochten all jene nicht, die mit der seelischen Existenz auf vier Rädern so ihre liebe Mühe haben. In der Tat war «Cars» der einzige Pixar-Film ohne Lebewesen. Ein Teil des Publikums scheint sich selbst den Ratten in «Ratatouille» näher zu fühlen, als den chromstahlglänzenden Boliden unserer Jugendträume. Was John Lasseter natürlich nicht davon abhielt, nun mit «Cars 2» ein weiteres Abenteuer mit den liebevollen Vehikeln aus Radiator Springs zu realisieren. Immerhin war «Cars» trotz der Kritik ein Publikumserfolg und Disney, die Mutterfirma von Pixar, darf sich gemeinsam mit der Spielzeugindustrie auf eine lukrative Zweitverwertung freuen.

Und so sind sie also alle wieder da, die kleinen und grossen Wagen aus Radiator Springs, mit Ausnahme von Hudson Hornet alias Doc, der von Paul Newman gesprochen wurde und mit dem Tod des Schauspielers nun in «Cars 2» zur Dorflegende erhoben wird. Lightning McQueen dagegen, mittlerweile mehrfacher Champion, kehrt zurück ins Dorf, wo alles begann und wo sich sein kauziger und liebevoller Freund Mater, der rostige Abschleppwagen, auf nichts sehnlicher freute als auf ein Wiedersehen mit dem rassigen roten Boliden.

Als im Fernsehen die italienische Speedmaschine Francesco Bernoulli wortlaut verkündet, selbst Lightning McQueen hätte gegen ihn überhaupt keine Chance, schaltet sich Mater per Telefon in die Sportsendung ein und fordert den Südeuropäer zum Duell heraus. Zu diesem Zeitpunkt kann das Publikum noch nicht ahnen, dass in der Folge die Auseinandersetzung zwischen den beiden Rennwagen nur Staffage für eine rasante Agentengeschichte sein wird, in der Mater und nicht McQueen die Hauptrolle spielt.

Als Publikum liebt man Anti-Helden, weil man ihnen näher ist, weil sie nicht unfehlbar und selten im Rampenlicht anzutreffen sind. Mater wird das Opfer einer Verwechslung. Die beiden britischen Geheimagenten, der mit allem Bond-Charme ausgestattete Finn McMissile und die Emma Peel nicht unähnliche Holley Shiftwell, halten ihn für  den Kollegen vom C.I.A. Und so wird aus einem schnellen Rennfilm ein rasanter Actionstreifen, in dem die Öl-Lobby unter der Führung des bösartigen Professor Z gegen alternative Antriebe kämpft.

Und damit ist der Boden für ein Feuerwerk gelegt, bei dem «Cars 2» mit Situationskomik und allerlei versteckten Andeutungen brilliert. Es knallt gehörig in «Cars 2» und die Kritiker, die ihn fälschlicherweise als reinen Kinderfilm verstehen, werden sich an der gehörigen Portion Schrott und den zahlreichen Explosionen stören. All jene aber, die hinter der technischen Brillanz von Pixar, der kinderfreundlichen Geschichte und dem vordergründigen Slapstick schon immer die verborgene Botschaft und den hintergründigen Witz ausmachen konnten, werden auch hier auf ihre Kosten kommen. 

Als 3D-Film lanciert, lässt sich «Cars 2» nicht auf die üblichen dreidimensionalen Spielereien ein und beschränkt sich auf den Tiefeneffekt. So lässt sich der Film locker auch in 2D ohne grosse Abstriche geniessen.  Und obwohl die deutsche Synchronisationsfassung unter anderen mit Sebastian Vettel und Christina Surer prominent besetzt ist, sollte man sich das Original nicht entgehen lassen. Vor allem der Südstaatenslang Maters –  gesprochen vom Komiker Larry, The Cable Guy –Michael Caines britische Noblesse für Finn McMissile und John Turturros herrlicher italienisch gefärbter Akzent für Francesco Bernoulli sind nicht zu übertreffen.

#-#IMG2#-##-#SMALL#-#Cars 2. USA 2011. 107 Minuten. Regie: John Lasseter, Brad Lewis. Drehbuch: Ben Queen, basierend auf einer Story von Lasseter und Lewis. Mit den Stimmen von: Larry the Cable Guy (Mater), Owen Wilson (Lightning McQueen), Michael Caine (Finn McMissile), Emily Mortimer (Holley Shiftwell), Eddie Izzard (Miles Axlerod), John Turturro (Francesco Bernoulli), Thomas Kretschmann (Professor Z), Franco Nero (Uncle Topolino). 
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